Eine sehr ungewohnte Geschichte, die etwas melancholisch und gleichzeitig sehr schön ist.

Empfohlen von Torsten Lager

Die englische Autorin Rose Tremain überrascht immer wieder mit ganz unerwarteten Orten und Zeiten ihrer Romane. Der neueste spielt in der Schweiz und gibt die Atmosphäre sehr treffend wieder. Im Grunde wird ein ganzes Jahrhundert erzählt – das der Familie Perle im kleinen, unbedeutenden Ort Matzingen. Gustav Perle wächst als Einzelkind bei seiner alleinerziehenden Mutter auf, der Vater ist schon vor Jahren gestorben. Sie führen ein sehr einfaches Leben, denn viel Geld gibt es nicht. Wie es dazu gekommen ist, warum es Emilie Perle mit Gustavs Vater Erich viele Jahre so viel besser ging, erzählt sie ihm nicht.

Als Gustav in der Grundschule Freundschaft mit Anton Zwiebel schließt, ist seine Mutter nicht sehr erfreut, denn die Familie ist zwar sehr nett, aber auch sehr wohlhabend und außerdem jüdischen Glaubens. Warum das ein Problem für Emilie ist, erzählt sie wiederum nicht. Wie immer bleibt sie ihrem Sohn gegenüber korrekt, aber distanziert. Gustav beschließt, dass er seine Mutter trotzdem liebt. Genauso wie seinen Freund Anton. Diese Grundhaltung behält er sein ganzes Leben lang bei. Und das hat dann ganz am Schluss (auf den letzten Seiten des Romans) noch eine kaum noch erhoffte Auflösung.

Im ebenfalls sehr beeindruckenden zweiten Teil wird die Vor-geschichte erzählt, die Geschichte von Emilie und Erich Perles Le-ben und Ehe. Das verläuft alles nicht ohne Schwierigkeiten – aber wie auch im 20. Jahrhundert?

Tremain, Rose
Insel Verlag
ISBN/EAN: 9783458176848
22,00 €
Kategorie:
Romane